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Schuhmachern - Willkommen....

....auf der Internetseite der Gesellschaft zu Schuhmachern, Bern.

Liebe Stubengenossinnen und Stubengenossen,

In unserer Bibliothek befinden sich noch ein paar wenige Exemplare der „Geschichte unserer Gesellschaft zu den Schuhmachern von Bern“ von Dr. Ernst Trechsel. Das Buch wurde 1934 beim damaligen Berner Tagblatt gedruckt. Die Exemplare in unserer Bibliothek drohen langsam in Vergessenheit zu geraten. Jedenfalls werden sie sehr selten ausgeliehen.

Drucktechnisch handelt es sich nicht um Vorzeige-Exemplare: Der Umschlag besteht nur aus verstärktem Papier und auch die Innenseiten sind langsam am Vergilben. Inhaltlich aber gibt diese Zunftgeschichte einen wunderbaren Einblick in das frühere Zunftleben unserer Gesellschaft. Ich gehe davon aus, dass die wenigsten Stubengenossinnen und Stubengenossen diese Geschichte je ganz gelesen haben. Deshalb werde ich in unregelmässigen Abständen Ausschnitte aus dieser Zunftgeschichte in meinem Grusswort aufgreifen und mir auch die Freiheit nehmen, nicht alles wörtlich zu zitieren.

In diesem Grusswort möchte ich die Vergangenheit unseres Zunfthauses als Wirtshaus aufgreifen. Ab Seite 115 weist Dr. Trechsel darauf hin, dass die Schuhmacher, wie alle anderen Gesellschaften, auf dem Zunfthaus eine Wirtschaft unterhielten, um dem geselligen Leben gerecht zu werden. Diese Wirtschaft stand nicht bloss den Zunftangehörigen offen, sondern allen Burgerinnen und Burgern, ja selbst den Bauern von auswärts. Letztere sah man aber nicht gerne auf den Gesellschaftsstuben. Im Stubenmanual von 1642 wird berichtet, dass man Vorkehrungen traf, um den auswärtigen Bauern den Zutritt zu verwehren. Man war auch bemüht, den Ruf des Hauses nicht durch die Bewirtung von unwürdigem Gesindel „herabzumindern“. Leute, die einmal im Schallenwerk gesessen hatten, durften sich nicht mehr in der Gesellschaftswirtschaft sehen lassen.

Es war allerdings nicht die Zunft, die die Bewirtung auf eigene Rechnung betrieb, sondern der Wirt. Das Grosse Bott setzte zu diesem Zwecke einen Hauswirt ein. Dieser war offenbar ursprünglich ein bezahlter Angestellter der Gesellschaft. Noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bezog er einen Jahreslohn von 15 Pfund. Später drehte man dann den Spiess um und verlangte vom Wirt einen Pachtzins, der im Lauf der Jahre von 30 Kronen auf 120 Kronen anstieg. Allerdings kam es nicht selten vor, dass der Zins nachträglich noch um 10 bis 20 Kronen reduziert wurde, wenn der Pächter durch schlechte Zeiten oder gar durch Einquartierung eine Einbusse erlitten hatte.

Der Wirt wurde jeweils im Sommer durch das Grosse Bott in seinem Amt bestätigt. Dieser Anlass wurde stets zu Lob und Tadel an der Führung der Wirtschaft genutzt, wobei offenbar der Tadel weit häufiger vorkam als das Lob. Eine Drohung mit sofortiger Entlassung, sei es wegen ungebührlichem Verhalten des Wirtes oder wegen unliebsamen Geschichten mit seinem Eheweib, war keine Seltenheit. In der Zunftgeschichte wird erläutert, dass auch Wirte entlassen werden mussten, und dass sich die Auswahl der Wirte nicht immer versöhnlich gestaltete. Einmal habe man sogar einem fremden Wirt den Vorzug gegeben, obschon sich drei Angehörige der Zunft für das Wirten beworben hatten.

Die Ordnung der Wirtschaft wurde durch den Stubenmeister geregelt. Dieser musste zeitweilen das Spielen in der Wirtschaft verbieten. Das Glücksspiel wurde insbesondere am Sonntag nicht gerne gesehen. Auch das „Überwirten“ gab Anlass zum Einschreiten. Allerdings sei es auch zeitweilig mit der Aufsicht durch den Stubenmeister nicht so streng gewesen, besonders dann, wenn die Ämter des Hauswirts und des Stubenmeisters in der Hand von ein und derselben Person vereinigt waren. Es gab aber auch gute und zuverlässige Wirte. So habe der Meister David Dick während 24 Jahren das Amt zur Zufriedenheit bekleidet, bis er 1675 „aus der Arbeit heraus“ starb. Während mehrerer Jahre habe sogar eine Frau die Stubenwirtschaft geführt. Sie sei beim Ableben ihres Mannes auf dem Posten geblieben, bis sie sich wieder verheiratete und ihr neuer Ehemann als Hauswirt eingesetzt wurde, berichtet Dr. Trechsel. 1772 stellte das Vorgesetztenbott fest, dass der Wirt einen Dauerskandal verursachte und beschloss, das Haus in ein Privathaus umzuwandeln. 1834 ging die Zunft in aller Form des Wirtschaftsrechts verlustig, da sie nicht mehr davon Gebrauch machte.

Während fast 200 Jahren war also unser Zunfthaus eine mehr oder weniger öffentliche Wirtschaft. Unsere Zunftstuben hatten eine hohe Bedeutung für das gesellige Leben, das sich in Verbindung mit der Hauswirtschaft abspielte. Offenbar ging in früheren Zeiten kein Anlass vorbei, möge er noch so unbedeutend gewesen sein, ohne dass dieser zu einer kleinen Mahlzeit der Zunftangehörigen benutzt wurde. Damalsgalt die Regel, dass mit Mahlzeiten Friede, Liebe und Aufrichtigkeit unter alle gepflanzt wurden. Heute führen nur noch wenige Zünfte in der Stadt Bern eine Wirtschaft. Spontan kommen mir die beiden Wirtschaften «Webern» (Zunft zu Webern) und die «Schmiedstube» Schmieden-Zunft) in den Sinn. Beide Wirtschaften sind aus der Gastronomie der Stadt Bern nicht mehr wegzudenken.

Mit diesem Exkurs in die Zunftgeschichte schliesse ich, grüsse Sie, liebe Stubengenossinnen und Stubengenossen, herzlich und wünsche Ihnen alles Gute.

Ihr Donatus Hürzeler, Obmann

Bern, 8. März.2012 

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17.10.2012 15:00 Kaffee-Nachmittag für Damen und Herren
07.12.2012 18:30 Grosses Bott

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