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Die Gesellschaft gestern und heute

Georg Brunner, alt ObmannDie Gesellschaft zu Schuhmachern ist eine der traditionellen vierzehn Gesellschaften und Zünfte in Bern. Sie ist eine öffentlich-rechtliche Korporation gemäss Gemeindegesetz.

Entstanden ist sie wahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert. Die Schuhmacher erschienen erstmals als berufliche Korporation in der grossen Handwerkordnung der Stadt Bern vom 1. April 1373. 1465 wird ihnen eine eigene Schuhmacherordnung gegeben, in welcher vor allem die Bedingungen, Rechte und Pflichten der Meisterschaft geregelt sind. Eine weitere Ordnung von 1511 wendet sich gegen die unorganisierten «Stör-Schuster», ordnet das Lehrlingswesen und überträgt insbesondere der Gesellschaft die Aufsicht über die Land-Schuster (Lehrordnung, Meisterstück, Verkaufsvorschriften). Auffallend ist, dass den Berner Schuhmachern von der Obrigkeit nur wenige handwerkliche Vorschriften gemacht wurden. So gaben sie sich ihren eigenen Preis-Tarif und liessen sich in der Gestaltung der Stiefel, Bund-, Schnür-, Frauen- und Kinderschuhe auch durch modefeindliche Mandate nicht viel dreinreden.

Bis 1798 regelte und beaufsichtigte die Zunft das Schuhmacher- handwerk in Bern. Ihr Name und ihr Wappen, mit dem goldenen schreitenden bekrönten Löwen, der einen schwarzen Stiefel in seinen Pranken trägt, zeugen noch heute davon. Von Beginn weg kümmerte sie sich um die Fürsorge im Fall, dass eines ihrer Mitglieder in Not geriet. Diese Verpflichtung, d.h. die Sozialhilfe, ist der Gesellschaft zu Schuhmachern bis heute als ihre wichtigste Aufgabe geblieben, neben dem Kindes- und Erwachsenenschutz für ihre im Kanton Bern wohnhaften Angehörigen, soweit dafür nicht der Kanton zuständig ist. Diese Aufgaben finanziert die Gesellschaft zu Schuhmachern, welche keine Steuern erheben darf, aus dem Ertrag ihres Vermögens, in erster Linie dem Mietertrag des Zunfthauses.

 Das Haus an der Amtshausgasse 8/Marktgasse 13 dient der Gesell- schaft zu Schuhmachern als Zunfthaus. Es wurde 1424–27 am gegenwärtigen Standort errichtet. Nach mehreren Umbauten im 18. und 19. Jahrhundert erhielt es 1971–73 seine heutige Form als modernes Geschäftshaus. Selbst der grosse Saal ist neuzeitlich gestaltet und mit Wandteppichen geschmückt. Letztmals wurde es 1973 grundlegend renoviert.

 Verdienstvolle Gesellschaftsangehörige waren u.a.: Sigmund Freudenberger (1745–1801), Berner Kleinmeister, Kunstmaler und Radierer; Pfarrer David Müslin (1747–1812), Dekan am Münster; Pfarrer Johann Rudolf Gruner, der u.a. die Burgdorfer «Solennität» initiierte; Johann Friedrich Trechsel, Mathematiker; Carl Emanuel Brunner (1796–1867), Professor der Chemie, Stifter des Chemischen Instituts der Universität Bern, Landschaftsmaler; Carl Friedrich Brunner (1823–1914), Professor der Physik, Eidgenössischer Telegrafendirektor, k.u.k Telegrafendirektor, Hof- und Ministerialrat und Fürsprecher; Samuel Friedrich Rudolf Brunner (1827–1894), Dr. iur.h.c. der Universität Zürich, Grossrat, Nationalratspräsident.

Als Personalgemeinde ist die Gesellschaft zu Schuhmachern darauf angewiesen, dass sie regelmässig neue Mitglieder aufnehmen kann, seien es Nachkommen von Gesellschaftsangehörigen, seien es neue Familien. Derzeit zählt die Zunft knapp 600 Angehörige. Alle sind zwingend Burgerinnen und Burger der Stadt Bern.

 
Hans Georg Brunner, alt Obmann